Besaitete Tasteninstrumente

Gottfried Silbermann ist vor allem als Erbauer weltberühmter Orgeln bekannt. Daneben schuf er aber auch mehr als 200 besaitete Tasteninstrumente. Neben den zu seiner Zeit gebräuchlichen Cembalo und Clavichord widmete er sich besonders der Weiterentwicklung des von Bartolomeo Cristofori erfundenen Hammerclaviers – Vorläufer des modernen Klaviers. Das neuartige Tasteninstrument, bei dem die Saiten nicht mehr wie beim Cembalo angerissen, sondern mit Hämmern angeschlagen wurden, war Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland noch unbekannt.

Silbermann arbeitete viele Jahre an der Verbesserung der Mechanik und ließ sein Werk von keinem Geringeren als Johann Sebastian Bach beurteilen. Damit hatten beide – Silbermann und Bach – einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Hammerclaviers und seiner Verbreitung hierzulande. So erwarb Preußenkönig Friedrich der Große (1712 – 1786) gleich mehrere der innovativen Silbermannschen Hammerflügel, von denen zwei erhalten geblieben sind (heute in Potsdam, Neues Palais und Sanssouci). Ein weiteres Instrument befindet sich im Besitz des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

Silbermann erfand zudem ein sogenanntes „Cembal d’Amour“, ein Clavichord mit vergrößerter Klangfülle, dessen doppelt lange Saiten in der Mitte angeschlagen wurden, sowie das Pantalon, ein mit Schlägeln zu spielendes Hackbrett. Neuerdings wird ihm auch ein zweimanualiges Cembalo in Schloss Pillnitz bei Dresden zugeschrieben.

Anders als seine Orgeln sind die besaiteten Tasteninstrumente Silbermanns trotz dessen Innovationsfreude heute längst nicht mehr so bekannt. Für die Orgelwerkstatt mit ihren vielen Mitarbeitern war der Bau von besaiteten Tasteninstrumenten gerade in Zeiten schlechter Auftragslage ein wichtiges Geschäftsfeld.


Links: Hammerflügel von Gottfried Silbermann, 1746, im Schloss Sanssouci Potsdam.
Quelle: Janstoecklin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15124266

Mitte und rechts: Zweimanualiges Cembalo. Freiberg, Werkstatt Gottfried Silbermann (zugeschrieben), um 1740, Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Inv.-Nr. 37413
Fotos: Kunstgewerbemuseum, SKD