Musikinstrumentenmuseum der Uni Leipzig feiert 300 Jahre Silbermann-Orgel

Foto: Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, Veit Heller

Die Silbermann-Stele ist zur nächsten Jubilarin gewandert: Der 300. Geburtstag der Silbermann-Orgel, die ursprünglich in Hilbersdorf stand, wird 2024 mit einer Konzertreihe im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig gefeiert.

Leipzig kann ein Jubiläum des weltberühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann (1683–1753) feiern – was durchaus nicht abzusehen war, nachdem Silbermann 1710 gegenüber dem ansässigen Universitätsorgelmacher Johann Scheibe keine Chance hatte und Leipzig den Rücken kehrte, um seine Werkstatt in Freiberg aufzubauen.

Aufbau der Silbermann-Stele mit Hanne Tautorus in Leipzig. Foto: Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, Veit Heller

Diese und weitere interessante Geschichten aus der Orgelforschung sollen übers Jahr in einer Reihe von Gesprächskonzerten, moderiert von Dr. Veit Heller, Kustos am Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, erzählt werden. Im Mittelpunkt steht die zu Pfingsten 1724 im erzgebirgischen Hilbersdorf eingeweihte einmanualige Brüstungsorgel, die die Gemeinde 1906 ins Museum gab. Seit 2006 hat sie ihren Platz im neu eingerichteten, klangvollen Konzertsaal des Musikinstrumentenmuseums im GRASSI gefunden.

Spannend sind sowohl die Argumente, mit denen diese Orgel über Jahrzehnte plausibel Silbermanns Schüler Zacharias Hildebrandt zugeschrieben wurde, als auch die jüngsten Indizien, die nun die Hilbersdorfer Orgel wieder unzweifelhaft als Werk des Meisters selbst erkennen lassen.

Die Organisten der Gesprächskonzerte (Daniel Beilschmidt, Roland Börger, Jan Katzschke und Albrecht Koch) zeigen uns ihre unterschiedlichen Annäherungen an G. Silbermann und seine Zeit, setzen Silbermanns Orgelkunst in Bezug zur mitteldeutschen Musiklandschaft, aber konfrontieren sie auch mit den Orgelstilen Frankreichs, Italiens und Spaniens. Die Programme des Ensembles Leipziger Concert beziehen die Orgel in verschiedene instrumentale Besetzungen ein.

Brüstungspositiv von Gottfried Silbermann, ursprünglich Hilbersdorf 1724, und jetzt in Leipzig. Foto: Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, Veit Heller

Hartmut Schütz, Orgelbauer in der Orgelwerkstatt Wegscheider in Dresden, rekonstruiert, wie Gottfried Silbermann unter mitteldeutschem Einfluss und mit den künstlerischen Beziehungen zu Zacharias Hildebrandt und dem Freiberger Domkantor Elias Lindner zu einer eigenen Formensprache in der Prospektgestaltung fand.

Und Markus Brosig, Restaurator am Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig, wird vom Schicksal der Orgel 1943 und den folgenden Anstrengungen zu ihrer originalgetreuen Restaurierung berichten.

Den Auftakt zur Konzertreihe machte am 15. März Jan Katzschke an der Orgel, umrahmt mit Geschichten aus dem Reisetagebuch von Johann Andreas Silbermann (1712–1783), dem Neffen Gottfried Silbermanns. Außerdem empfängt das Museum mit einem Grußwort der Gottfried Silbermanngesellschaft Freiberg die wandernde Silbermannstele – ein Kunstwerk, das bis 2055 jeweils an den Orten der Jubiläumsorgeln zu Gast sein wird.

Aktuelle Informationen zu allen Veranstaltungen er Reihe 300 Jahre Silbermannorgel im Musikinstrumentenmuseum sind auf der Website des Museums zu finden:
» https://mfm.uni-leipzig.de/dt/300-Jahre-Silbermannorgel.php